Gelesen: Helga Glaesener – Das Seehospital

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Buchtitel Das Seehospital

Klappentext:
Drei Schwestern, drei Schicksale – ein Ort der Menschlichkeit
Amrum, 1920: Nur widerwillig kehrt Frida zu Beerdigung des Großvaters zurück auf ihre nordfriesische Heimatinsel. Der alte Kapitän Kirschbaum gehörte zu Amrum wie die Wellen zum Strand. Aber für Frida hatte er zuletzt kein gutes Wort übrig. Ihren Traum, in Hamburg Medizin zu studieren, hielt er für Weiberflausen und drehte ihr den Geldhahn kurzerhand zu. Dabei hätte der Insel-Patriach eine vertrauenswürdige Ärztin in dem kleinen Hospital, das er für lungenkranke Kinder gestiftet hat, gut gebrauchen können. Nach seinem Tod droht der Einrichtung nun wegen Geldmangels das Ende. Aber was wird dann aus den kleinen Patienten? Friedas Mutter will aus der imposanten Stadtvilla lieber ein exklusives Kurhotel machen. Auch von ihren beiden Schwestern kann Frida keine Hilfe erwarten. Dennoch nimmt die den Kampf auf – und ahnt nicht, wie hoch der Preis für sie und ihre Familie sein wird…

Ich habe schon einige Bücher von Helga Glaesener gelesen. Was mir besonders an ihren historischen Romanen gefällt, ist, dass die Geschichten gut recherchiert und deshalb nicht so „glatt“ sind, wie manch andere. Zwar gibt es auch in ihren Büchern immer außergewöhnliche und starke Frauenfiguren, die am Ende auch zumeist den richtigen Partner finden, aber dazwischen findet auch „echtes“ Leben statt. Und das ist (gerade als Frau in früheren Zeiten) nicht immer rosarot und einfach, sondern kann einige Härten bereit halten.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, in dem jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen Familienmitgliedes geschildert wird. Ich fand es spannend, bei verschiedenen Figuren sowohl deren Selbst- als auch unterschiedliche Fremdwahrnehmungen kennenzulernen. Auch wenn die Autorin das Prinzip nicht völlig ausreizt und mich die ein oder andere Selbstwahrnehmung durchaus noch interessiert hätte, gewinnen die Figuren durch diese Erzählweise an Tiefe.

So konnte ich gut in die 20er Jahre auf Amrum und in Hamburg abtauchen und gleichzeitig froh sein, dass ich nicht in dieser Zeit leben muss. Ich merke, dass mir bei Büchern rund um die Jahrhundertwende immer sehr präsent ist, was in den 30er- und 40er-Jahren in Deutschland folgte und mich frage, wie die Romanfiguren sich in dieser Zeit verhalten. Bei manchen im Seehospital hatte ich da recht genaue Vorstellungen, so dass ich mich zwischendurch gefragt habe, ob Helga Glaesener eine Fortsetzung plant. Insgesamt hat die Geschichte allerdings sehr wenig politische Bezüge. Lediglich der Kampf für das Frauenwahlrecht und ein Aspekt der Kolonialgeschichte werden erwähnt.

Wer Geschichten mit starken Frauenfiguren mag, es aushält, dass eine Geschichte auch ein paar Härten enthält und einen Eindruck der Lebenswelt von Frauen in den 20er-Jahren in Deutschland erhalten möchte, ist bei diesem Roman richtig.

Helga Glaesener
Das Seehospital
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-499-27410-7

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