Backaktion 2020

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Am vergangenen Wochenende fand unsere diesjährige Backaktion statt. Sie hat eine lange Tradition. Ganz sicher sind wir nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie seit 1982 in jedem November oder Dezember stattgefunden hat.

Hier ein paar Ergebnisse der letzten Jahre:

Ursprünglich habe ich mit meiner Mutter und meiner Oma gebacken. Im Laufe der 90er Jahre übernahm ich immer mehr Planungsverantwortung und von Jahr zu Jahr wurden es mehr Sorten und größere Mengen. Das funktionierte auch, weil wir meist Unterstützung von Patenkindern oder Freunden hatten. Mit drei (oder manchmal alterstechnisch fast vier) Generationen zusammen eine große Menge ganz verschiedener Plätzchen zu backen, die für alle bis in die Weihnachtszeit reichen, ist großartig – und meine Einstimmung in die Adventszeit.

Schoko-Zimt-Ausstecher

2011 war meine Oma zum letzten Mal mit voller Tatkraft dabei. 2012 ging das nicht mehr. 2013 haben wir sie noch einmal dazu geholt, aber sie wusste nicht mehr, was man mit dem Keksteig machen sollte. 2014 war es nicht mehr möglich sie dazu zu holen und im Dezember ist sie dann gestorben. Somit passt es, dass sich inzwischen der Freitag und Samstag vor dem Ewigkeitssonntag als fester Termin etabliert haben. In meinem Kopf ist meine Oma auf jeden Fall in diesen Tagen sehr präsent.

Mittlerweile backen wir wieder mit drei Generationen, denn die Söhne unterstützen inzwischen mehr oder minder ausgeprägt. Was sie auf jeden Fall schon sehr gut können: Plätzchen-Teig probieren und fertige Kekse naschen. Zwei Tage brauchen wir nicht nur wegen der Menge, sondern auch weil einige Teige am besten eine Nacht kalt stehen. Somit rühren wir freitags fast alle Sorten an und backen dann Samstag alles weg.

Zuckerguss auf Zimtschnecken-Plätzchen und Zitronenküsse

Wer die ersten Bilder genau betrachtet wird feststellen, dass ein Teil der Plätzchen auf jedem Teller zu finden ist. Die Türkischen Monde zum Beispiel sind ein altes Familienrezept. Wenn wir in der Adventszeit meine Oma besuchten, gab es immer eine große Dose im Schrank, die randvoll mit eben diesen Plätzchen gefüllt war. Es existiert noch ein Rezept, dass mein Opa aufgeschrieben hat (und der ist bereits 1963 gestorben). Ebenfalls schon sehr lange backen wir die Gewürzplätzchen, ebenfalls ein Rezept das meine Oma eingebracht hat. Dazu kommen dann verschiedene Rezepte, die sich in den vergangenen Jahren bewährt haben, aber auch jedes Jahr ein paar neue Sorten.

Keksdosen gut gefüllt

Seit mehren Jahren backen wir Spritzgebäck, Kokosmakronen und „Männerkekse“ (aus der Zeitschrift Beef! mit Mandelstiften, Bitterschokolade und Ras-el-hanout), im letzten Jahr haben uns besonders die Erdnussbutter-Schokoladen-Brezel-Kekse und die Zitronenküsse überzeugt. Neu ausprobiert haben wir in diesem Jahr „Schweizer Kekse“ (die heißen eigentlich anders, aber ich kann mir den Namen weder merken noch aussprechen, er endet irgendwie auf …schrempfli), Zimtschnecken-Kekse und Schoko-Zimt-Ausstecher. Ich bin übrigens immer noch auf der Suche nach einem guten Ausstecher-Rezept – irgendwie finde ich die alle etwas langweilig im Geschmack. Wer also eine Empfehlung hat, schicke mir gerne das Rezept! Die Zimtschnecken-Kekse sind uns gut gelungen und sehr knusprig, aber ich bezweifle, dass sie es im nächsten Jahr auf die Liste schaffen werden. Die größte Herausforderung in diesem Jahr waren die Schweizer Kekse, da der Teig sich überhaupt nicht ausrollen, geschweige denn füllen ließ. Der Originalteig war eine Art süßer Nudelteig aus vielen Eiern, Puderzucker, Mehl und Backpulver ohne ein Gramm Fett. Nachdem wir in einen Teil des Teiges Rapsöl geknetet haben, kamen wir besser voran.Schweizer KekseFür den anderen Teil testeten wir eine Variante mit mehr Eiern und Öl. Er ließ sich ausrollen und wir bestrichen ihn mit der Füllung und machten Schnecken daraus. Lauwarm schmeckten die wir Kirmes: Nach Liebesapfel, Zuckerwatte und Popcorn. Da wir den Teig aber im nächsten Jahr garantiert nicht wieder hinbekommen, werden die wohl auch nicht wiederholt.

Hier jetzt noch mal der komplette Plätzchen-Teller im Überblick:Ergebnis der Backaktion 2020 - runder Plätzchenteller aus HolzIm Uhrzeigersinn von oben: Schweizer Kekse, Spritzgebäck, Schoko-Zimt-Ausstecher, Türkische Monde, Zimtschnecken-Plätzchen, Erdnussbutter-Schoko-Brezel-Kekse, Zitronenküsse, Gewürzplätzchen, Kokos-Orangen-Makronen, Männerkekse.

Zu Beginn des Backens hatte ich das Gefühl, dass es noch viel zu früh im Jahr ist – eher so Ende Oktober als Ende November. Aber im Laufe der zwei Tage wurde das besser und jetzt ist es draußen auch noch deutlicher kühler geworden, ich habe ein paar Fenster dekoriert und somit darf der Advent jetzt kommen.

Adventsfenster mit Winterlandschaft

Noch ein paar Gedanken zum Advent, die nichts mehr mit der Backaktion zu tun haben…

In diesem Jahr ist mir besonders aufgefallen, wie viele Häuser schon Mitte November im Lichterglanz erstrahlten. Und überall ist ständig vom Beginn der Weihnachtszeit die Rede. Für mich steht fest, dass es Advents- und Weihnachtsplätzen ebenso wie Kinderpunsch erst nach dem Ewigkeitssonntag gibt. Auch die Kiste mit Dekozeug wird vorher nicht vom Dachboden geholt. Ich verstehe, dass in diesem Jahr viele noch mehr als sonst das Bedürfnis nach Licht und einem gemütlichen Heim haben. Aber trotzdem muss ich noch öfter als sonst darüber nachdenken, dass viele Menschen gar nicht mehr wissen, was die Adventszeit eigentlich ist. Kaum noch jemand weiß, dass diese Zeit ursprünglich eine Fastenzeit war. Da leuchteten nur die Lichter am Adventskranz und Weihnachtsgebäck gab es natürlich erst an Weihnachten. Die Adventszeit ist eigentlich eine Zeit des Wartens und der Vorbereitung auf den Geburtstag von Jesus, auf dieses Wunder, dass Gott Mensch wird. Ob man da jetzt dran glaubt oder nicht, ist es trotzdem eine Zeit der Vorfreude, in der es mitten in der Dunkelheit von Tag zu Tag ein bisschen heller wird. Manchmal denke ich, dass vor lauter Lichtern und Glitzern und Weihnachtsmusik die Vorfreude verloren geht. Und dass diese Zeit für Menschen besonders schwierig ist, die das Gefühl haben, dass für die Dunkelheit kein Platz mehr ist, obwohl diese zu ihrem Leben gehört. Dass in all dem Leuchten kein Platz für sie ist.

Ja, auch ich esse jetzt schon Plätzchen und habe die Fenster mit Sternen geschmückt. Der Weihnachtsbaum wird aber erst am 24. aufgestellt und ich freue mich auf wunderschöne Adventsmusik bevor ich Weihnachtsmusik anmache. Und ich wünsche mir, dass es für uns alle erstmal Advent werden darf: Kleine Hoffnungslichter scheinen mitten in unsere Dunkelheit – wir warten darauf, dass es wieder hell wird – wir erleben, dass wir willkommen sind, so wie wir sind.

Haustür

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